Das zähe Flaschenmonster – Oder: Sei kreativ um kreativ zu sein von Daniela Ingalls Photography

    1024 682 Daniela Ingalls

    Eigentlich wollte ich diese Woche einen Artikel über eine der letzten Fotosessions schreiben. Über die Familie, die mit dem neugeborene Baby und großen Bruder in mein Studio in Nandlstadt kam. Oder die Familie am See. Oder über eine Hochzeit, die ich neulich fotografierte. Die Fotos waren bereits herausgesucht. Willensstark und zäh der Widerhall durchs Treppenhaus:

    „Mama, bauen wir ein Flaschenmonster… Flaschenmonster… Flaschenmonster?“

    „Ja, das können wir später machen“, ist wohl die Antwort, die alle Eltern kennen. Normalerweise kann ich damit noch etwas Zeit herausschinden. Da ich oft von zuhause aus arbeite, habe ich den Vorteil, viel Zeit mit meinen Kindern verbringen zu können. Allerdings auch den Nachteil, dass sie es manchmal nicht verstehen, wenn Mama keine Zeit hat.

    „Wieso nicht jetzt – du bist doch da.“
    „Weil Mama jetzt noch arbeitet.“ Ich wollte ja noch den Artikel fertig schreiben.
    „ Gleich nach dem Frühstück, noch vor dem Kindergarten?“

    Das Flaschenmonster war hartnäckig.

    „Aber dann gleich nach dem Kindergarten?“
    „Ja, heute nach dem Kindergarten“, sagte ich, heimlich hoffend, dass es bis dahin im Tagesstrudel vergessen wurde.

    „Juhu, jetzt bauen wir das Flaschenmonster!“
    Der Moment, wenn man sein Kind vom Kindergarten abholt, birgt immer Überraschungen.
    Diesmal nicht.

    Mit großen Augen sah sie mich erwartungsvoll an. Das ist Leben mit Kindern. Mir kommt ein Satz von Richard Lorenz in den Sinn. Er ist Buch und Drehbuch Autor, vor Kurzem habe ich einen seiner Kurse über Kreatives Schreiben besucht. „Manchmal hilft Ablenkung. Etwas komplett anderes machen, und später wieder weiterschreiben.“

    „Na gut, dann bauen wir heute ein Flaschenmonster“ hörte ich mich sagen. Ich hatte keine Ahnung, wie so etwas aussieht. Die Google Suche brachte mich auch nicht weiter. Doch meine vierjährige Tochter wusste ganz genau, was gebraucht wurde: Plastik Flasche, Kleber, Eierkarton, Farben, Pinsel.

    Wenn es eine Sache gibt, die ich nicht gut kann, ist es malen. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum mich die Fotografie immer fasziniert hat. In der Fotografie setzt man in Szene, was das Licht malt. Ich kann mir Dinge sehr gut räumlich vorstellen, aber Proportionen per Hand zu Papier bringen, ist für mich ein Graus.

    Meine Vierjährige hatte damit kein Problem. Sie nahm den Pinsel in die Hand, und fing an. Sie hatte keine Scheu, verschiedenste Farben, eine nach der anderen, auf die Plastikflasche zu bringen. Sie dachte nicht darüber nach, sie machte einfach. Da machte es bei mir „klick“. Ich nahm den Pinsel und malte drauf los, ohne Rücksicht auf Kritik. Ohne darüber nachzudenken, ob es „gut genug“ war.

    Vielleicht steht man sich manchmal ein wenig selbst im Weg. Kreativ sein heißt nicht, perfekt sein zu müssen. Wir müssen nicht immer erst in Google suchen, wenn wir eine Idee haben, und noch nicht wissen, wie wir sie umsetzen wollen. Meine Vierjährige hat mir an diesem Nachmittag gezeigt, wie leicht das sein kann.

    Sich trauen, etwas zu tun, auch wenn man denkt man kann es nicht so gut. Einfach machen, es muss nicht perfekt sein, um schön zu sein. Gerade das Nicht-Perfekte gibt Persönlichkeit. Was am Ende zählt, ist, wie es entstanden ist, was man damit verbindet, mit wem man etwas erlebt hat.

    Wenn ich mein Flaschenmonster so ansehe, denke ich an einen fröhlichen, gemeinsamen Nachmittag mit meiner Tochter. Wir haben viel gelacht, mit Farbe gepanscht und zusammen zwei Kunstwerke mit für uns unschätzbarem Wert geschaffen. „Mama, unsere Flaschenmonster sind die Schönsten auf der ganzen Welt.“

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    Daniela Ingalls

    Daniela Ingalls Photography ist eine Fotografin im Landkreis Freising, Nandlstadt, Mainburg, München, Abensberg, Kelheim, Ingolstadt, Bad Neustadt an der Saale. Sie ist spezialisiert und international trainiert in Newborn Baby-, Baby-, Kinder-, Familien- und Schwangerschafts-Fotografie.

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